Dass das Internet ein riesen Phänomen ist, dass die Leben (positiv wie negativ) von vielen Leuten bestimmt, hat sich mittlerweile herumgesprochen, sollte man meinen. Trotzdem hatte vergangenes Jahr die Koalition entschieden, es mit dem Internet und dessen Bewohner aufzunehmen. Bisher hatten die sich nie zu Wort gemeldet.
Zitate. Pädophile, Wiefelspütz
Ursula Gertrud von der Leyen (CDU), damals Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:
„Wir wissen, dass bei den vielen Kunden, die es gibt, rund 80 Prozent die ganz normalen User des Internets sind. Und jeder, der jetzt zuhört, kann eigentlich sich selber fragen, wen kenne ich, der Sperren im Internet aktiv umgehen kann. Die müssen schon deutlich versierter sein. Das sind die 20 Prozent. Die sind zum Teil schwer Pädokriminelle. Die bewegen sich in ganz anderen Foren. Die sind versierte Internetnutzer, natürlich auch geschult im Laufe der Jahre in diesem widerwärtigen Geschäft. ”
Dr. Dieter Wiefelspütz (SPD), MdB und innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion:
…, was soll denn ein “Computer” sein, was soll “Internet” sein? Ich habe diese Begriffe noch nie gehört oder gelesen. Ich stamme nämlich aus dem vergangenen Jahrtausend. DNS, TLD, GAGA, GOGO, TRALAFITTI oder was?
“Huch, die Internet-Gemeinde muckt auf und es sind gar nicht mal Wenige” müssen sich wohl die großen Parteien (CDU Spiegel online, SPD Spiegel online) schon vor und ganz besonders nach der Wahl gedacht haben. Nachdem sie eifrig Politik für die Rentner gemacht haben, wurde auch noch direkt die Internet-Sperre beschlossen, die der letzte Bundespräsident dann unterzeichnet hat.
Aber der Schuss ging nach hinten los. Bisher hatte niemand in den taktischen Überlegungen die Einwohner des Interwebs auf dem Plan gehabt. So war die Sperre ursprünglich mit Zensursula als Galionsfigur zur Begeisterung der Digital Immigrants (manchmal auch: Internetausdrucker) gedacht, die völlig gefühllos zum Internet sind, weil sie noch gut die Zeiten von Schreibmaschine und Telefon mit Wählscheibe kennen.
Was nun nicht geplant war ist, dass dieses im Vergleich zu den Rentnern extrem inhomogene Volkchen formiert. Das ist auf zwei Ebenen passiert. Einmal ist ein großer Aufruhr durch verschiedene Medien und Blogs gegangen. Und dann hat eine Teilmenge dieser Leute, denen das Internet vermutlich im Leben so wichtig ist, wie sonst nichts, wo die Politik mitbestimmt. Und die haben sich in der Piratenpartei zusammengeschlossen oder gewählt.
Die Piratenpartei hat in Deutschland auf Anhieb 2 % der Stimmen bei der Bundestagswahl kassiert, das waren 850.000 Wähler. Soetwas hat es Jahrzente lang nicht gegeben. In meinem Wahlkreis 84 (Berlin-Friedrichshain – Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost) hat die Piratenpartei sogar 6% der Stimmen gehabt.
Jetzt machen die großen Parteien also ein 180-Grad-Wende und wollen zumindest etwas den Internet-Nutzern entgegen kommen. Man will bestimmt vermeiden, dass nach einer der der nächsten Wahlen noch eine 6te Partei im Bundestag sitzt. Die Frage ist, inwieweit sich das überhaupt in Parteiprogrammen kombinieren lässt, so sind doch die Forderungen der Orangen teils komplett gegensätzlich zu dem, was sonst so gefordert wird bei diesen speziellen Themen.
Hier nochmal das Standard-Beispiel zu den Internet-”Zensuren”: man kontrolliert ja auch nicht auf der Straße jedes Auto oder jedes Paket bei der Post, weil ja etwas verbotenes drin sein könnte. Das darf immer nur auf einen Verdacht hin passieren. Und das müssen die Alten ein für alle mal verstehen. “Dieses Internet” geht nämlich nicht mehr weg und dieser Fakt bleibt.
Ich glaube jedenfalls einzelnen wenigen Leuten, die den oben zitierten Sche*ß erzählt haben kein Wort mehr.
Ein ähnliches Thema ist übrigens auch Paintball. Da wurde letztes Jahr im Zuge eines geplanten Verbots des Sports auch ein ziemlicher Aufruhr losgetreten (Tagesspiegel). Es ging sogar soweit, dass Abgeordnete sagten (Bild), dass durch EMails und Briefe ihre Büros lahmgelegt würden. Eine DoS-Attacke aufs Abgeordneten-Büro, wenn man so will.
Beiden Fällen gemeinsam ist, dass da Leute irgendwas verbieten wollten, von dem sie nichts verstehen. Vielleicht sollte man nächstes Mal vor dem Verbieten versuchen zu verstehen, dann kann man sich den Hick-Hack nämlich sparen.
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