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Information in Deutschland

Irgendwas ist in Deutschland ganz anders als in den englischen Ländern. Es muss eigentlich irgendeine Ursache dafür geben, dass das Verhältnis zu freier Information so gestört ist.

In Deutschland ist das Standard-Verhalten (“default”) zur Informations-Freigabe: so njet wie nur möglich. Das sieht man in der Uni, wo vielfach Skripte und Kurs-Material nur per Passwort von den ansonsten öffentlichen Uni-Seiten zu laden sind, das in der Vorlesung bekannt gegeben wird. Das heißt das andere Studenten aus dem Uni-Netzwerk (per IP-Freigabe) keine Möglichkeit haben, an diese Informationen zu kommen, obwohl sie das “Recht” haben, jede Veranstaltung der Uni zu besuchen. Und auch ausgesperrt sind die Leute außerhalb der Uni, die die Profs und Mitarbeiter dafür bezahlen, dass sie forschen, lehren und ebendieses Material erstellen. So kann auch kein Abi-Schüler sich die Skripte von Kursen aus einem Studienfach anschauen, um zu entscheiden, ob das was für ihn ist. Also studiert er dann 1 Jahr lang was um rauszufinden, dass das u.U. nichts für ihn ist.

Ich höre dann solche Gründe wie “dass das Skript ja ohne die Vorlesung nichts bringt”. Aber sicher schadet es ja auch nichts. Und Freiheit ist, wenn jeder selbst entscheiden kann, ob es ihm persönlich was bringt oder nicht. Nicht gut ist es, wenn das jemand anderes meint für einen entscheiden zu müssen und nein sagt.

Das selbe ist bei Mathe-Profs los, die erst gar kein Skript online stellen, sondern nur wie im Mittelalter an die Tafel schreiben. Da sagen mir dann manche Studenten, dass man durch Abschreiben der Tafel schon viel lernt. Ist ja gut, aber es soll bitte jeder selbst entscheiden können, wie er am besten lernt. Es könnte ja auch jemand das nicht vorhandene Skript runter laden und es einmal abschreiben. Wenn ihm das was nutzt, bitte, soll ihm niemand verbieten.

Das war die Lage in Deutschland. Wie ist es in den USA? Apple bringt das neue Prog iTunes U für iOS raus, das eine Plattform für genau das komplette Kurs-Material ist, was in Deutschland keiner raus rückt. Da machen viele namhafte Unis mit und sagen dadurch, das jeder nach Lust und Laune in alles mal die Nase rein stecken kann und so viel oder so wenig machen kann, wie er mag. Das ist das krasse Gegenteil der deutschen Auffassung.

Weiter geht es bei Open Data. International schon ein großes Thema, geben nach und nach vor allem staatliche Stellen ihre Daten frei. Einfach so und ins Internet. So dass jeder der will damit machen kann, was er will. Das ändert sogar den Journalismus, die jetzt auch Daten-Leute brauchen. Auf den Daten-Konferenzen wird besprochen, was man hiermit alles Neues herausfinden kann. Und in Deutschland: kein Thema. Es gibt allenfalls aggregierte Daten, womit man nichts weiter anfangen kann. Es wird nur gemauert.

Selbst ein Informatik-Doktor außerhalb der Uni, mit dem ich gesprochen habe, hielt nichts von Open Data (wiki de), weil Daten mit der Zeit veralten würden und weil es unterschiedliche und teils komische Datei-Formate gibt. Außerdem gäbe es oft nutzlose Daten. Was sind das denn für Gründe? Ob etwas nützt oder nicht muss (nicht nur “kann”) jeder Nutzer selbst entscheiden.

Nur ich frage mich warum das alles so ist. In beiden Fällen (Uni und Behörde) schadet es den Daten-Lieferanten in der Regel nicht. Und den Daten-Empfängern nutzt es und trotzdem wird nichts hergegeben. Wenn es einem nichts schadet, sollte man standardmäßig das Zeug freigeben und nicht standardmäßig behalten. Langsam bin ich dieses ewige Gejaule wirklich leid. Das sind oft nur diffuse und unkonkrete Angst-Gefühle, die die Leute gar nicht erklären können.

So wie der Wahn bei Google Street View. Auch hier ist es so, dass die Leute einerseits nichts rausrücken wollen, weil sie als Lieferant keinen direkten Vorteil davon haben. Sie wollen am anderen Ende als Empfänger gerne den Nutzen und alle Häuser betrachten. Das ist so wie damals bei StudiVZ, dass zwar alle Leute gerne sehen wollten, wer ihre Profilseite besucht hat, aber bei sich selbst ausgeschaltet haben, dass ihr Profil-Besuch geloggt wird.

Ein bisschen anders ist die Lage mit der Facebook Chronik. Da jammern jetzt Leute rum, dass sie das nicht wollen, nach dem Motto “Facebook ist ja gut, aber die Chronik will ich nicht”. Auch das ist vollkommener Quatsch. Wenn man die normalen Funktionen gerne nutzt, ist die Chronik ist nichts anderes. Man soll die schon so bearbeiten, wie man auftreten will, aber Verweigern ist wieder diffuse Angst (vor Veränderung und Fortschritt).

Das krasseste Beispiel, wie das Verhältnis zu freien Daten zwischen den Mentalitäten anscheinend anders ist, sieht man wie ich finde an den RSS-Feeds, die ich regelmäßig lese. Es gibt einige, wo die kompletten Artikel direkt im Feed stehen. Bei anderen ist praktisch nur die Überschrift als Link vorhanden, über den man zur entsprechenden Web-Seite kommt, wo man dann den ganzen Artikel lesen kann. Mir ist nicht klar, wie genau sich das (Geschäfts-)Modell der Seiten unterscheidet, wenn anscheinend nur die Sprache der Unterschied ist. Vorne stelle ich D oder E für die Sprache an, in der geschrieben wird.

Volle Artikel im Feed:
E ReadWriteWeb
E TechCrunch
E TUAW
E Mashable
E Dilbert
E Urban Word of the Day
D Xing Blog
E Facebook Blog
E Agile Blog
E Omni Group Blog

Kein Artikel im Feed:
D Spiegel
D Heise
D Telepolis
D Visions
D Mixology
D Design Tagebuch

Xing ist offensichtlich eine ungewöhnliche Ausnahme. Auch beim Thema Datenschutz sind die auf dem richtigen Schiff. Das kann man in ihrem Blog-Artikel “Der Schritt ins 21. Jahrhundert” von vorvorgestern nachlesen, den ich komplett im Feed hatte, ohne nochmal einen Link klicken zu müssen.

This entry was posted on Thursday, January 26th, 2012 at 2:57 pm and is filed under Daten . You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

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