Zielvereinbarungen

Es werden ja immer noch Zielvereinbarungen getroffen, obwohl die Wissenschaft (zusammengefasst von Dan Pink) herausgefunden hat, dass bei Denk-Aufgaben Ziele sogar kontraproduktiv sind. Ja richtig, wenn Leute Kopfarbeit leisten und Prämien dafür bekommen ist das Ergebnis schlechter, als wenn sie keinen variablen Anteil bekämen. Bei stupider Arbeit ist es anders, aber kaum einer macht das heute noch.

Aber wie bei vielen anderen Dingen auch, ändert sich nichts, weil viel zu oft die Leute das Sagen haben, die an den Status Quo angepasst sind und folglich selber nichts Neues wollen. Die, die was Neues wollen, kommen in alten Umgebungen nicht an. Das ist aus meiner Sicht auch der Grund, weshalb einerseits etablierte Firmen so oft Schwierigkeiten mit Innovationen haben und andererseits junge Firmen oft automatisch Alte zerstören.

Aber auch wenn ich über Zielvereinbarungen nachdenke, komme ich zu dem Schluss, dass das System grundsätzlich schlecht ist. Nur genau das ist der Punkt, Leute denken nicht über Sachen nach, sondern machen einfach das, was immer schon gemacht wurde und von den Alten eben auch erwartet wird. Das ist wie ein Teufelskreislauf, der fast nur durch konkrete Zerstörung oder Angst durch unmittelbar bevorstehende Zerstörung (siehe Erdöl-Automobilhersteller) unterbrochen werden kann. Was ist also falsch mit Zielvereinbarungen?

Denk-Ziele können nur selten genau genug beschrieben werden. Am Ende des Jahres besteht die Gefahr, dass der Chef nicht mit dem Ergebnis zufrieden ist. Ein solches muss nicht unbedingt existieren und schon gar nicht muss der Chef dieses schon zu Beginn des Jahres überlegt haben. Obwohl er weder eine konkrete Beschreibung abgeliefert hat, noch auf Nachfragen detaillierter werden will. Nach dem Motto: “Der Weg ist Teil des Ziels und damit Mitarbeiter-Aufgabe.”.

Den Zeitraum eines Jahres finde ich viel zu lang. Wenn Dinge nicht dringend sind (Voraussetzung, dass sie so langfristig geplant werden), ändern sich oftmals Themen in der Firma oder Markt, so dass die Erledigung am Ende unnütz sein kann. Dann wird der Mitarbeiter effektiv dafür belohnt, dass er dringende Sachen liegen lässt und unnütze Ziele erledigt. Das ist unsinnig für alle.

Die Ziele erstrecken sich nur auf einen kleinen Teil der Arbeit, meistens wird das als Zusatz auf die normale Arbeit gesehen. Allerdings sollte sich eine Belohnung doch auf die komplette Arbeit beziehen. Oder reicht es, wenn der Hauptteil schlecht erledigt wird und nur der Spezialteil gut? Lieber sollte der Chef detailliertere Aufgabenlisten mit Reihenfolge zur Verfügung stellen, die problemlos abgearbeitet werden können. Das wäre sehr produktiv, zufriedenstellend (weil man nicht im Unklaren nach Aufgaben suchen muss), habe ich aber bisher selten gesehen.

Ich denke allgemein, dass man von einer Motivation des Mitarbeiters ausgehen sollte. Denn wenn ein MA nicht motiviert ist, wird ihn Bonus auf unklar definierte Aufgaben auch nicht aufraffen. Die Idee ist auch oft, dass man ein Dokument unterschreibt und nach einem Jahr ist alles fertig. Aber Arbeit allgemein sollte ein interaktiver Prozess mit vielen Rückmeldungen und Schleifen sein. Nur so kann verhindert werden, dass man nicht auf dem Holzweg ist.

This entry was posted on Monday, November 21st, 2016 at 7:29 pm and is filed under Allgemein . You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

Leave a Reply

About Me

Name: Dietrich N

Ort: Frankfurt

Netzlog seit: April 2004

Zeitzone: dt. Winterzeit (UTC+1)

Recent Comments
  • Ike: Endlich auch bei Stromausfall zocken! Wenigstens offline…
  • Ike: Nur dass Trump kein Unterhalter mehr ist, sondern Präsident. Das ist dann nicht mehr so unterhaltsam.
  • Ike: Also ich bekomme bei meinem Hausarzt immer so einen kleinen Zettel, wo er mir draufschreibt wann ich das...
  • Dan: Na klar. Der startet bei 25K und ist etwas kleiner als ein Golf. Der soll sich bestimmt als Geschenk zum Abi...
  • Ike: Bist du sicher, dass Menschen die sich einen NEUEN Audi SUV kaufen unter 50 sind? Allein der Preis dürfte...
  • Hannes: Da hab ich wohl auch die MD-X8 Selbsthilfegruppe gefunden. :) Meine hatte mich gebraucht ganze 400 DM...
  • Matthias: Ach ja, die gute, alte MD-X8… Läuft hier auch noch. Seit fast 20 Jahren. Mit defektem Wechsler, sehr...
  • Ike: Auch zweirädrig? Da gibt es ja noch nicht so viel Auswahl so weit ich weiß. Ansonsten ist die mangelnde...
  • Ike: Und ich finde kaum/keine Smartphones mit vielleicht 4 – 4,5 Zoll Diagonale mehr…
  • dan: Korrigiert
Categories
  • Allgemein (812)
  • Bar (23)
  • Dan (58)
  • Daten (24)
  • Fahrzeug (124)
  • International (236)
  • Mini (699)
  • Sport (54)
  • Technik (207)
  • Search
    Feeds
    Archive/Calendar
    Random Photos
    Weitere Bildr
    Meta